Für ein strahlendes Lächeln

22.05.2009

Generative Fertigung spart Kosten bei Zahnersatz

Früher oder später benötigt jeder die Handwerkskunst des Zahntechnikers. Passgenaue und ästhetisch schöne Kronen, Brücken und komplette Gebisse sind das Ergebnis harter Arbeit in Dentallabors oder Arztpraxen. Etwa 60000 Zahntechniker arbeiten in 5200 Meisterbetrieben, die im Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) organisiert sind. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung im Labor und in der Berufsschule. Allerdings verändern sich die Ansprüche an diesen Berufsstand rasend schnell. Antonius Köster vergleicht die Dynamik des Berufsbildes der Zahntechniker mit dem der Modellbauer. „Mein Gesellenstück fertigte ich aus Holz. Mein drei Jahre später hergestelltes Meisterstück war bereits CNC-gefräst“, berichtet der Modellbaumeister Köster aus Meschede. Neben seiner Tätigkeit im eigenen Unternehmen engagiert sich Antonius Köster dafür, die Wissenslücken aller im Bereich der Zahntechnik Tätigen rund um die neuesten Technologien zu schließen. Zwar gehört die deutsche Zahntechnik zur Weltspitze, doch der gesundheitspolitische Sparkurs führt zu Umsatzeinbrüchen in den Labors und einem Rückgang der Ausbildungsstellen. „Der Kostendruck für die Zahntechniker ist enorm“, bestätigt auch Köster. Allerdings lässt sich mittels Rapid-Prototyping bereits heute Zeit und Kosten innerhalb der Zahntechnik sparen. Etabliert ist zum Beispiel das Lasersintern von Brückengliedern, Kronen und Käppchen, die über den Zahnstumpf kommen. Auch Bohrschablonen für den Einsatz vom Implantaten oder Brückengerüsten werden heute generativ gefertigt. Jedoch stecken noch viel größere Potenziale in der Technologie, die Scanner, Software und Fräsmaschine kombiniert. „Ganz entscheidend für den Zahntechniker ist, den Überblick über die Technologien zu behalten, Angebote zu vergleichen und sich zu spezialisieren“, rät Antonius Köster. Sinter- oder 3D-Druckeranlagen bieten so viele Möglichkeiten. Vor allem unter dem ästhetischen Gesichtspunkt sind sie unverzichtbar. Man kann heute das Gesicht eines Patienten einscannen und die hundertprozentig optimale Zahnersatzlösung entsprechend der anatomischen Besonderheiten schon im Vorfeld finden. Zahnform und Zahnfarbe lassen sich digital manipulieren. Wo CAD/CAM zum Einsatz kommt, lässt sich ein Vorher-Nachher-Effekt ohne kostspieligen und zeitaufwendigen Materialverbrauch für Modellversuche realisieren. Es entsteht schon im ersten Schritt ein direktes, auf die individuellen Ansprüche des Patentienten angepasstes Modell. „Die Entwicklung wird weitergehen. Gerade bei Implantaten ist in den nächsten Jahren ein großer Vorsprung zu erwarten“, prophezeit Köster. In welchen Zeitspannen die Innovationen praxistauglich werden, hängt auch von den Zulassungsverfahren für einzelne Kunststoffe ab. Materialien, die mit Speichel oder Blut in Kontakt kommen, müssen erprobt werden, um für den Patienten spätere Risiken ausschließen zu können. Diese Tests und Verfahren können Zeiträume zwischen drei Monaten und mehreren Jahren beanpruchen. Aufzuhalten sind die Trends indessen kaum, schließlich bieten beispielsweise Kunststoffimplantate gegenüber Metallimplantaten Vorteile für den Patienten. Sie sind besser verträglich mit den im Speichel enthaltenen Säuren und punkten hinsichtlich der Kälte- und Wärmeleitung. Ebenso ist es ein Ziel, langlebigere Implantate zu schaffen. Einen Zahn nachzubilden, verlangt auch künftig Feinarbeit, Kreativität und ästhetisches Empfingen. Das Technikverständnis der Zahntechniker muss sich allerdings immer schneller erweitern. Gleichzeitig appelliert Antonius Köster an den Berufsstand der Zahntechniker, besser mit den Zahnärzten zu kooperieren und selbstbewusster an den Patienten heranzugehen: „Es gibt schließlich neben der freien Arzt- auch die freie Zahntechnikerwahl.“

TOP