Natur verstehen: Zähne ein Erfolgsrezept der Evolution

02.05.2012

Paläontologen analysieren fossile Zahnreste zur Rekonstruktion der Nahrungszusammensetzung von ausgestorbenen Tierarten. Die Zähne unserer Vorfahren haben sich während der Evolution durch Anpassungsprozesse verändert, die Grundform der Backenzähne jedoch existiert schon ca. 200 Millionen Jahre; seit dem Erscheinen der ersten Säugetiere. Die Nutzung verschiedener Nahrungsressourcen hat unterschiedliche
Zahnformen hervorgebracht. Die Paläontologie versucht durch Funktionsmodelle die Trendentwicklungen in den Gebissen im Kontext mit Umweltveränderungen zu erklären. 3D-Oberflächen-Scanningverfahren und digitale Computertomographie helfen die Strukturen von Zähnen vergleichbar zu machen und Evolutionshypothesen zu prüfen. Im 3D-Labor des Forschungsinstituts Senckenberg in Frankfurt a. M. befasst sich eine Forschergruppe mit der Analyse von Zahnkontakten um die Variabilität der Zahnformen zu studieren. Eine eigens entwickelte virtuelle Methode ermöglicht es, natürlich eingeschliffene Abnutzungsfacetten auf den Zahnoberflächen zu vermessen und zu visualisieren. So können die individuellen Kontaktverhältnisse zwischen Ober- und Unterkieferzähnen während ihrer Kinematik bestimmt werden. Kleinste Änderungen der Zahnposition und der Bewegungsbahn lassen sich prüfen und registrieren. Die für paläontologisch-wissenschaftliche Arbeiten entwickelten virtuellen Methoden könnten in naher Zukunft auch in der modernen Zahnmedizin ihre Anwendung finden und zusammen mit Rapid-Prototyping Verfahren in einer voll-digitalisierten Prozesskette zur Funktionsdiagnostik und individuellen Patientenversorgung beitragen.
(Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturkundemuseum; www.senckenberg.de)

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