Digitaler Treffpunkt der AM-Zukunftsmacher gestartet

22.06.2021

Nachhaltige Anwendungen stehen im Mittelpunkt von Livestream-Kongress, virtueller Expo und Online-Networking zur Rapid.Tech 3D 2021

Impression der digitalen Rapid.Tech 3D

v.l. Prof. Gerd Witt, Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl Fertigungstechnik; Michael Kynast, Geschäftsführer Messe Erfurt GmbH; Wolfgang Tiefensee, Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft; Prof. Dr. Christiane Beyer, Lehrstuhl Produktentwicklung und Konstruktion & Institutsleiter, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Fachbeiratsvorsitzender Michael Eichmann, Stratasys GmbH

Keynote Industrieller 3D-Druck fährt Bus, v.l. Ralf Anderhofstadt, Head of Center of Competence 3D-Printing - Daimler Trucks & Buses, Daimler Truck AG/ EvoBus GmbH – Daimler Buses; Janis Kretz, Digital Supply Chain Manager at Center of Competence 3D-Printing - Daimler Trucks & Buses, Daimler Truck AG/ EvoBus GmbH – Daimler Buses, Fachbeiratsvorsitzender Michael Eichmann, Stratasys GmbH

(Erfurt, 22. Juni 2021). Zukunftsmacher des Additive Manufacturing (AM) treffen sich nach der coronabedingten Zwangspause im Vorjahr heute und morgen wieder zum Wissens- und Erfahrungsaustausch. Für die digitale Rapid.Tech 3D hat sich das Congress Center der Messe Erfurt in ein TV-Studio mit umfangreichem technischem Equipment verwandelt, aus dem ein hochkarätiger Online-Fachkongress live in die ganze Welt übertragen wird. Die Technik macht es darüber hinaus möglich, digital ins Gespräch zu kommen und sich in einer virtuellen Expo über neue Produkte und Dienstleistungen zu informieren.

„In den vergangenen Monaten hat sich gerade im AM-Bereich viel Neues entwickelt. Das Bedürfnis nach Austausch ist groß. Deshalb haben wir uns für die digitale Veranstaltung entschieden und dank der Unterstützung unserer Fachbeiräte ein hörens- und sehenswertes Programm aufgestellt“, erklärte Michael Kynast, Geschäftsführer der Messe Erfurt, zur Eröffnung. Für die Bedeutung der Rapid.Tech 3D spricht, dass auch unter den digitalen Bedingungen „tolle Vortragsangebote von Referenten weltweit eingereicht wurden, die einen eindrucksvollen Querschnitt zu Anwendungen und Entwicklungen in Wirtschaft und Wissenschaft geben“. Darauf verwiesen die beiden Fachbeiratsvorsitzenden Michael Eichmann von Stratasys und Prof. Gerd Witt von der Universität Duisburg-Essen. Wolfgang Tiefensee, Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, betonte in seinem Grußwort, dass der 3D-Druck mittlerweile vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum Großunternehmen genutzt wird. Das Ministerium unterstütze die Entwicklung dieser innovativen Technologie nicht nur mit 35.000 Euro Preisgeld für den internationalen Designwettbewerb 3D Pioneers Challenge, dessen Sieger auch zur diesjährigen Rapid.Tech 3D gekürt werden, sondern ebenso in verschiedenen Projekten der regionalen Forschung und Industrie.

Daten statt physischer Teile auf die Reise schicken

Additive Manufacturing als Treiber für Nachhaltigkeit in Entwicklung und Produktion vieler Branchen ist das Leitmotiv der Rapid.Tech 3D 2021. In ihrer Eröffnungs-Keynote griffen Ralf Anderhofstadt und Janis Kretz von Daimler Buses dieses Motto auf. Sie demonstrierten, dass der industrielle 3D-Druck bereits „Bus fährt“ und damit zu einer klimaneutralen Mobilität beiträgt. Aus über 320.000 Teilen, die bei Daimler im Busbereich im Einsatz sind, habe man aktuell zwölf Prozent mit 3D-Druck-Potenzial identifiziert. Mehr als 400 Teile sind bereits additiv umgesetzt und in Fahrzeugen verbaut. Das spart beispielsweise Werkzeugkosten im hohen sechsstelligen Bereich, so die Referenten. Die AM-Experten bei Daimler Buses generieren darüber hinaus neues Umsatzpotenzial und Mehrwert für die Kunden mit einem Online-Konfigurator zur Individualisierung von Teilen im Interieurbereich. Noch einen Schritt weiter gehen sie mit dem Einsatz eines mobilen 3D-Druckzentrums, das auf 36 Quadratmetern Equipment zur Datenaufbereitung, zum Druck sowie zur Nachbearbeitung enthält. „Statt ein physisches Teil auf die Reise zu schicken, wird ein Datensatz versendet und das gewünschte Bauteil dort hergestellt, wo es gebraucht wird. Das spart Transport- und Lagerkosten, senkt Lieferzeiten und ist sowohl wirtschaftlich als auch nachhaltig“, verweisen Ralf Anderhofstadt und Janis Kretz darauf, das mit dem Übergang vom physischen zu digitalen Geschäftsmodell Ökonomie und Umweltaspekte Hand in Hand gehen. Weiteren Entwicklungsbedarf für eine verschlüsselte lizenzgerechte dezentrale additive Fertigung sehen sie beim IP-Schutz und bei der digitalen Rechteverwaltung. Hier können Blockchain-Technologien die sichere Brücke zu AM bilden, wurde in der Diskussion deutlich.

Weg von der Wegwerfgesellschaft

Dass das Thema „AM und Nachhaltigkeit“ zwar noch am Anfang steht, aber zusehends an Dynamik gewinnt, verdeutlichten Experten aus Industrie und Wissenschaft in einer Podiumsdiskussion. Weg von der Wegwerfgesellschaft und hin zum „Recht auf Reparatur“ lautete eine Quintessenz, die Dr. Jakob Fischer von Heraeus und Stefan Ritt von SPEE3D hervorhoben. Technologisch ist vieles gelöst, betonte Prof. Christiane Beyer. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Produktentwicklung und Konstruktion an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, die live aus dem Rapid.Tech TV-Studio Erfurt agierte, warb dafür, mehr Beispiele zu schaffen, die den digitalen Kreislauf für eine nachhaltige Produktion mittels 3D-Druck und eine nachhaltige Nutzung der Produkte zeigen. Dafür müssen auch Hemmnisse im Kopf abgebaut werden, so bei der Verwendung rezyklierter Kunststoffe für die additive Fertigung, die in Qualität und Preis neuen Stoffen ebenbürtig sind. Hier fehlt es noch an Vertrauen und Konsequenz im Handeln, unterstrich Volker Hammes von BASF.

Vertieft wurden die Herausforderungen und Vorgehensweisen sowie beispielgebende AM-Anwendungen am ersten Kongresstag in den Fachforen Automobil & Mobilität; Neues aus AM; Werkzeug-, Modell- & Formenbau und Fraunhofer Kompetenzfeld Additive Fertigung sowie im ersten Teil des Forums AM Wissenschaft.

Mehr als 180 Produkte und Leistungen in virtueller Expo

Ein weiterer Anziehungspunkt der digitalen Rapid.Tech 3D ist die virtuelle Expo. Hier präsentieren 25 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mehr als 180 Produkte sowie Leistungen aus den Bereichen Werkstoffe, Anlagentechnik, Software, Verfahren und Prozessgestaltung für die additive Fertigung. Gezeigt werden u. a. Tools für generatives Design, neue Vollfarb- und Multimaterialdrucker, eine mit 3D-Technologien gefertigte Drohne zur Ferninspektion bei Windrad-Rotorblättern, Lösungen für Metall-Feinguss und Kunststoff-Vakuumguss sowie nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie getriebene zahlreiche Entwicklungen im Medizinbereich. Digital dabei sind beispielsweise der 3D-Druck-Werkstoffspezialist AM Polymers sowie führende Technologiepartner und Dienstleister wie Additive Innovation, Antonius Köster, CT Core Technology, Dassault, Farsoon, HP, Stratasys, Solukon, toolcraft oder Zeiss. Additive Tectonics, ein Pionier für AM in Architektur und Bauwesen, zeigt Beispiele, wie man mit industriellem 3D-Druck effizienter und zugleich individueller bauen kann. Außerdem stellt die Fraunhofer-Gesellschaft ihre umfangreiche 3D-Druck-Expertise vor.

Schnell und unkompliziert Netzwerken

Mit Referenten, Ausstellern sowie weiteren Besuchern kann man per Textchat, Videocall oder Nachricht schnell und unkompliziert ins Gespräch kommen. Ein besonderes Format in der Networking-Area ist das „Chat Roulette“. Personen, die diese Funktion bestätigt haben, können sich in einem Speed-Dating-ähnlichen Verfahren mit anderen Teilnehmern in rotierenden Videocalls zusammenschalten lassen und ein vorgegebenes Zeitfenster von zwei Minuten für Gespräche und Kontaktanbahnungen nutzen.

Luftfahrt-Themen dominieren am 23. Juni

Tag 2 der digitalen Rapid.Tech 3D eröffnet Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e. V. (BDLI), mit einer Keynote zu ersten Erfolgen und Herausforderungen für AM in der Luftfahrt. Vertieft wird das Thema im Fachforum Luftfahrt. Weitere Sessions am 23. Juni beleuchten AM-Entwicklungen und -Anwendungen in den Foren Software, Prozesse & Konstruktion; Medizin- & Orthopädietechnik sowie AM in Bauwesen & Architektur. Fortgesetzt wird das Fachforum AM Wissenschaft. Ebenso laden die virtuelle Expo sowie die verschiedenen Networking-Formate ein. Eine spezielle Luftfahrtanwendung steht im Mittelpunkt des Abschlussvortrags zur Rapid.Tech 3D. Alexander Altmann von der Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH wird über AM-Aktuatoren für die Boing 777X berichten.

Partnerschaft für das digitale Echtzeit-Erlebnis

Zum Gelingen des Digital-Events trägt die rooom AG aus Jena entscheidend bei. Dank einer Partnerschaft mit dem Marketing-Tech-Startup werden der Rapid.Tech 3D-Fachkongress sowie die begleitende Ausstellung ins Netz übertragen. Die rooom AG bietet Komplettlösungen für 2D, 3D, Virtual Reality (VR) sowie Augmented Reality (AR an). Dies ist besonders unter Pandemiebedingungen eine praktikable Lösung, um die Veranstaltung stattfinden lassen zu können. Schon mehrfach wurde das Unternehmen für seine beispiellose Startup-Idee und für einzelne Leuchtturm-Projekte ausgezeichnet. So ist es u.a. Träger des German Innovation Awards 2019 und des Thüringer Innovationspreises 2020.
Webseite: www.rooom.com

Kurzentschlossene können auch morgen noch ein Ticket buchen: Rapid.Tech 3D (ondemand.com)

Alle Informationen zur Rapid.Tech 3D gibt es unter: www.rapidtech-3d.de

Die Veranstaltung findet auf der digitalen Plattform https://rapidtech3d.on.expo-x.com/ statt.

 

 

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